Orientierung an der Familie, am Kind, am Jugendlichen

Die Leistungen der Jugendhilfe erfüllen keinen Selbstzweck, sondern tragen gemäß dem gesetzlichen Auftrag aus § 1 Abs. 1 SGB VIII dazu bei, dass sich das Recht eines jeden jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit hin verwirklicht. Dabei soll Jugendhilfe junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen, Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen und dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen (§ 1 Abs. 3 SGB VIII).

Das Kind, der Jugendliche bzw. die Familie stehen daher im Mittelpunkt der Jugendhilfe. Nach unseren Vorstellungen von der Weiterentwicklung der Jugendhilfe soll diese Mittelpunktsstellung der Familien, Kinder und Jugendlichen verstärkt wahrgenommen und ausgebaut werden.

Eine solche Orientierung setzt voraus, dass der Familie, dem Kind oder dem Jugendlichen ein hohes Maß an Wertschätzung entgegengebracht wird, wenn sie tatsächlich das Subjekt einer guten Jugendhilfe sein sollen und nicht das Objekt einer behördlichen Leistung. Nicht wir sollen unsere Klienten beteiligen, sondern diese sollen uns beteiligen, um ihr Leben zu meistern. Die Familien sollen als Experten ihrer eigenen Lebenslage verstanden und als solche behandelt werden, damit Jugendhilfe zu einer aktivierenden Hilfe zur Selbsthilfe wird.

Die Hilfegestaltung soll sich am Willen der Familien, Kinder und Jugendlichen orientieren. Das verlangt eine intensive Auseinandersetzung mit der Sichtweise und den Zielen der Familie bzw. des Kindes/Jugendlichen. Die Wahrnehmung, Interpretation und Bewertung der Situation bzw. Probleme durch die Familie, das Kind oder den Jugendlichen selber muss daher besprochen und beleuchtet werden – ggf. mit fachlicher Unterstützung –, bevor die Situation von der Fachkraft analysiert wird.

Werden die Familien, Kinder und Jugendlichen als echter Mittelpunkt der Jugendhilfe gesehen, so bedingt dies, bei einer Hilfegestaltung zunächst auf ihre Ressourcen abzustellen, um sie tatsächlich zu befähigen, ihre Probleme zu lösen und ihre Ziele mit Hilfe ihrer Stärken – und Unterstützung von Seiten der Jugendhilfe – erreichen zu können. Eine Ressourcenorientierung bei der Hilfeerstellung verlangt dabei, dass die Ressourcen der Familien, Kinder und Jugendlichen fokussiert werden, ggf. mit Unterstützung aktiviert werden müssen, bevor sie dann gefördert und gezielt genutzt werden (können).

Ebenso wie die eigenen Ressourcen des Klienten sind die Ressourcen der Lebenswelt des Klienten zu fokussieren, aktivieren, fördern und gezielt zu nutzen, damit die Hilfe in erster Linie aus dem direkten Umfeld des Klienten erfolgen kann.

Das bringt mit sich, dass positive Beziehungen der Kinder und Jugendlichen zu ihrer Lebenswelt weitestgehend erhalten und gefördert werden sollen.

Eine verstärkte Orientierung der Jugendhilfegestaltung am Klienten verlangt darüber hinaus auch eine Beziehungskontinuität zu den Fachkräften der Jugendhilfe.

 

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